Was sind deine Pläne?
Ich möchte nach der Matura Technische Chemie an der TU Wien studieren. Danach möchte ich gerne in die medizinische Forschung.
Wie wichtig findest du es, bereits jetzt zu wissen, was du nach der Matura machen möchtest? Fühlst du dich unter Druck gesetzt, diese wichtige Entscheidung zu treffen?
Ich denke, wir werden von der Schule sehr stark unter Druck gesetzt diese Entscheidung zu treffen. Es wird eigentlich von und erwartet schon mit 13 ganz genau zu wissen, was wir einmal machen wollen, denn davon hängt ja die Wahl unserer Schule ab. Wir mussten ein Motivationsschreiben verfassen, dass unsere Entscheidung begründet. Nun sind wir in der siebten Klasse und es reicht nicht mehr zu wissen, in welchem Bereich wir arbeiten wollen. Wir müssen wissen in welcher Universität wir welches Bachelorstudium bestreiten wollen. Vor allem für diejenigen, die sich noch nicht für eine Richtung entschieden haben, kann das sehr stressig sein.
Aber auch ich fühle mich unter Druck gesetzt, denn mir wird seit Jahren eingeredet, dass ich mir keine Fehler leisten kann und darf. Ich höre nichts anderes als wie schlecht die Arbeitsverhältnisse im Moment sind und wie hart es sein wird sich gegen seine Mitstreiter durchzusetzen. Zusatzqualifikationen, wie ein Sprachzertifikat und ein Auslandsaufenthalt scheinen vorausgesetzt zu werden. Wir werden davor gewarnt uns während unseres Studiums nicht zu viel Zeit zu lassen, da dies anscheinend ein schlechtes Licht auf uns wirft. Mein Vater hat 9 Jahre lang studiert und es hat ihm nie Probleme bereitet.
Ich weiß nicht ob diese Darstellungen den Tatsachen entsprechen. Ich möchte es nicht glauben. Aber all die Jahre in denen ich es immer wieder gehört habe, haben ihre Spuren hinterlassen. Ich muss mich immer wieder selbst zur Ruhe ermahnen und habe trotzdem selten das Gefühl genug zu leisten.
Im Prozess meiner Entscheidungsfindung ist mir etwas Interessanten aufgefallen. Ich hatte schon in jungen Jahren eine relativ konkrete Vorstellung davon in welche Richtung es gehen soll. Mit 10 wollte ich Mathematiklehrerin werden. Mir war schon immer klar, dann meine Talente und Interessen im naturwissenschaftlich-mathematischen Bereich liegen. In der 5. Klasse habe ich mich auf die Chemie festgelegt und seit ca. einem Jahr steht fest, dass ich in die Forschung möchte. Im Ausland leben wollte ich nie. Doch im Laufe der siebten Klasse bin ich immer unsicherer geworden. Ist die Chemie wirklich das Richtige für mich? Soll ich in die Forschung obwohl es sehr schwer ist in diesem Bereich Karriere zu machen und man viel weniger verdient als in der Industrie? Wäre ein Studium im Ausland nicht vielleicht doch die bessere Wahl?
Wer sind für dich deine wichtigsten AnsprechpartnerInnen, wenn es um deine berufliche Zukunft geht? Wer oder was beeinflusst dich am meisten?
Am meisten lasse ich mich von Leuten beeinflussen, die in dem Bereich arbeiten in dem auch ich arbeiten möchte. Im letzten Jahr habe ich den Herrn Professor Müller mit Fragen durchlöchert. Welche Aufgaben umfassen seine Arbeit? Ist er zufrieden? Würde er, jetzt im Nachhinein betrachtet, irgendetwas anders machen?
Ich halte das für sehr wichtig, vor allem da ich dadurch Informationen bekomme, die mir beim Treffen meiner eigenen Entscheidung helfen. Einreden lassen was ich tun soll, lasse ich mir nicht gerne.
Welche Rolle spielen die Schule und die Informationen, die du im Rahmen der Berufsorientierung bekommst, für deine Entscheidung?
Ich denke, dass die Zeit, die in die Berufsorientierung investiert wird sehr ineffizient genutzt wird. Ich muss nicht siebzen Mal einen Fragebogen mit dem Titel "Meine Stärken - Meine Schwächen" ausfüllen um eben jene zu kennen. Und nach dem fünften Mal erhalte ich auch aus den "Selbstbild - Fremdbild"-Übungen auch keine neue Information mehr. Die Frage "Was hast du durch diese Übung Neues über dich gelernt?", die uns von den Angaben zu diversen Reflexionen entgegen lacht, nervt nur mehr. Irgenwelche pseudointeressante Details werden aus dem Ärmel geschüttelt und man ärgert sich, weil man schon wieder eine halbe Stunde verplempert hat. Ich würde mir eine bessere Kommunikation zwischen den Lehrern wünschen, um dies in Zukunft zu verhindern.
Ganz generell sollte man versuchen sich beim Planen von Berufsorientierungsstunden etwas mehr in den Schüler hineinzufühlen. Ich habe ein Arbeitsblatt zu dem eben genannten Thema der Stärken und Schwächen zu Hause liegen, das 9 Seiten lang ist und nur aus Ankreuzfragen besteht. Das da beim Ausfüllen Frust aufkommt, hätte man sich denken können.
Wäre es nicht sinnvoller die Berufsorientierung zu zentralisieren und sie ENTWEDER im Rahmen des Deutschunterrichtes ODER in SQ ODER als eigenes Fach durchzuführen?
Mir persönlich viel gebracht hat der Interessenstest in der 4. Klasse. Ich habe viel über ihn nachgedacht und denke, dass er eine gute Grundlage für Überlegungen war und ist. Darin wurden meine Talente auf vier Bereiche heruntergebrochen. Ich kann mich nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern, aber sinngemäß standen die beiden Gruppen in denen ich meisten Punkte hatte für "Ordnung" und "analytisches Denken". Herr Professor Wurzwallner meinte nachdem ich ihm das Ergebnis gezeigt hatte sofort, dass ich damit ja in die Forschung gehen könnte. Unabhängig davon, dass ich keine Ahnung habe, wie dieser Test auf die Idee kommt, dass ich ein Talent für Ordnung habe, scheint er mich beruflich doch auf den richtigen Weg gebracht zu haben.
Macht die Schule einen "guten Job", dich auf deine Zukunft vorzubereiten, oder ist eher alles, was du lernst, irrelevant für dich?
Ich bin überzeugt davon das jeder von uns unglaublich vieles von dem was wir jetzt lernen nie wieder brauchen wird und das ist auch gut so. Denn zum einen wird jeder von uns etwas anderes für brauchbar erachten und zum anderen ist es die Aufgabe eines AHS möglichst viele Bereiche anzuschneiden. Wer auf einen konkreten Beruf vorbereitet werden will, soll in eine BHS gehen.
Wie stellst du dir deine Zukunft nach der Schule vor?
Wenn ich an mein Leben nach der Schule denke, stehe ich immer vor einem Konflikt. Zum einen würde ich gerne so bald wie möglich von zu Hause ausziehen, zum anderen würde ich gerne möglichst zügig studieren und schnell fertig werden. Eine eigene Wohnung setzt selbstverständlich einen Job voraus, der verhindern würde, dass ich mich voll und ganz auf das Studium konzentrieren kann. Ich denke ich werde diese Entscheidung erst während meines Studiums treffen, wenn ich weiß wie viel Zeit es tatsächlich in Anspruch nimmt und welche Möglichkeiten ich habe um mir etwas dazuzuverdienen.
Ich halte es für sehr gut möglich, dass ich von zu Hause zunächst einmal in eine WG ziehen werde, da die Immobilienpreise im Moment sehr hoch sind. Ich möchte aber auf jeden Fall eine Zeit lang alleine leben bevor ich eventuell mit meinem Freund zusammenziehe. Ich halte das für eine wichtige Erfahrung, die ich nicht missen möchte.
Ich möchte gerne weiterhin in Wien wohnen, sofern mich meine Karriere nicht woanders hin verschlägt. Eine Wohnungin der Nähe des Karlsplatzes würde mir gefallen.
Während meines Studiums möchte ich unbedigt ein Auslandssemester machen. Ich habe während meines einmonatigen Sprachkurses schon viele wertvolle Erfahrungen sammeln können und denke, dass ein Auslangssemester änlich abläuft. Außerdem hat es extrem viel Spaß gemacht und ich habe immer noch Kontakt zu vielen Leuten, die ich dort kennengelernt habe.
Wie stellst du dir dein Studium vor?
Ich freue mich schon darauf zu studieren und selbst verantwortlich für alles zu sein was ich tue. Ich denke, dass ich damit ziemlich gut zurechtkommen werde, da ich mir schon jetzt die Zeit gerne eigenständig einteile und nicht zu den Leuten gehöre, denen wegen allem hinterhergerannt werden muss.
Obwohl ich mich darauf freue eigenverantwortlich zu handeln, sehe ich dem auch mit etwas Sorge entgegen. Ich neige dazu sehr schnell ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich mir einbilde nicht genug geleistet zu haben oder einen Fehler gemacht zu haben. Ich denke, dass ich mich dahingehend während des Studiums etwas abhärten werde müssen. Ich denke auch, dass das Studium sehr stressig werden wird. Ich werde also genug Gelegenheiten haben um das abgehärtet sein zu üben.
Wie stellst du dir ein Studentenleben vor?
Wie das Leben als Student ist, hängt stark davon ab in welcher Lebenssituation man sich befindet. Während ich noch bei meinen Eltern wohne, denke ich nicht, dass sich mein Alltag stark von meinem jetzigen unterscheiden wird. Allerdings werden sich viele im Laufe ihres Studiums von ihren Eltern abnabeln und ausziehen. Von diesem Moment an ändert sich das Leben abrupt. Ich weiß nicht, wie es sein wird meinen eigenen Haushalt zu schmeißen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es zunächst einmal eine Zeit lang drunter und drüber geht.
Welche Bedeutung wird dein Job für dein späteres Leben haben? Hast du Karriereläne?
Mein Bezug zum Thema Karriere hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Ich erinnere mich nach daran mit 13 ganz bewusst zu sagen, dass mir eine Karriere nicht wichtig ist. Inzwischen denke ich schon, dass es mich freuen würde Anerkennung für meine gute Arbeit zu bekommen. Es ist sicher nicht leicht sich in der Forschung nach oben zu arbeiten, aber ich würde gerne einmal meine eigene Forschungsgruppe leiten.
Ich habe mir auch schon viele Gedanken zu dem Konflikt zwischen Karriere und Familie gemacht. Ich weiß nicht ob ich jemals Kinder haben möchte. Umso älter ich werde, desto eher tendiere ich zu nein. Auch das bereitet mir Kopfzerbrechen, da tief in mir drinnen der evolutionär-denkende Teil meiner Selbst von mir verlangt welche zu haben. Ich denke auch, dass kinderlose Karrierefrauen von der Gesallschaft oft schief angeschaut werden. Es war eben doch Jahrtausende lang die Aufgabe der Frau sich um Heim und Kinder zu kümmern.
1. Beurteilungsraster
Beurteilungskriterium
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Abstufungen
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Analyse der persönlichen Situation
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sehr ausführlich
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ausführlich
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ausreichend
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minimalistisch
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zu wenig
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Reflexion des Einflusses von außen (Eltern, Schule, etc.)
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sehr ausführlich
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ausführlich
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ausreichend
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minimalistisch
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zu wenig
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Zukunftsreflexion
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sehr ausführlich
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ausführlich
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ausreichend
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minimalistisch
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zu wenig
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2. Persönlicher Kommentar
Ich denke, dass ich alle Punkte dieses Beistrages sehr ausführlich bearbeitet habe. Ich neige dazu zu viel über Dinge nachzudenken und so habe ich mir auch zu meiner Zukuft schon viele Stunden lang gedanken gemacht. Meine Gedanken in Text zu fassen, fiel mir nicht schwer. Außerdem finde ich es auch sehr interessant zu lesen, was andere zu dem Thema schreiben und wollte daher meine eigene Sicht der Dinge teilen.
Liebe Gabi,
AntwortenLöschenDanke, dass du deine Sicht der Dinge und Überlegungen so ausführlich niedergeschrieben hast! Mir gefällt dein Beitrag sehr gut und viele deiner Kritikpunkte kann ich gut verstehen!
Zuerst einmal möchte ich dir aber sagen: Mach dir nicht zu viel Druck! Du arbeitest super, deine Arbeitseinstellung passt genau, du bist motiviert und engagiert, mehr kann man sich als LehrerIn nicht von einer/einem SchülerIn wünschen! Du weißt schon genau, was du machen willst und kannst deshalb schon genau deine Prioritäten setzen. Als Frau im naturwissenschaftlichen Bereicht bzw. in der Forschung hast du im Moment gute Chancen ganz weit zu kommen (wenn du das willst), denn Frauen werden speziell gefördert und das ist auch gut so! Ich sehe also überhaupt keine großen Hindernisse in deinem Weg liegen außer dem Druck, den du dir selbst machst! Ich bin mir sicher, dass du deinen Weg gehen wirst, wohin er dich auch immer führen wird und ob das nun mit oder ohne Familie ist, diese Entscheidung musst du selbst treffen und hat auch noch Zeit. Alle Leute, die Frauen verurteilen, die sich für eine interessante Karriere und gegen Kinder entscheiden, sind sowieso dumm und können getrost ignoriert werden.
Ich verstehe gut, dass dich der 100.Persönlichkeitstest nervt, BO - und das habe ich schon oft gehört - sollte besser individuell gestaltet werden, aber die Organisationsstruktur in der Schule ist so starr, dass das nur schwer zu bewerkstelligen ist! Der Fehler liegt im System, aber das darf natürlich keine Ausrede sein. Ich werde mich mal erkundigen bei allen,die SQ machen.
Ich bin mir sicher, dass dir Studieren extrem viel Spaß machen wird, nur noch ein Jahr und dann darfst du endlich deine eigenen Entscheidungen treffen. Da musst du durch, dafür wird's nachher umso herrlicher...! ;-)
Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Erfolg bei all deinen Plänen. Du wirst sehen, alles wird so funktionieren, wie du es dir vorstellst und wenn nicht, dann macht man das Beste aus der neuen Situation und schon passt auch wieder alles!
Liebe Gabi,
AntwortenLöschenIch kann sehr deutlich erkennen, wie sehr du dich mit deinem Beitrag auseinandergesetzt hast. Du hast alles sehr ausführlich beschrieben und dir über sehr viele Aspekte Gedanken gemacht. Ich finde es sehr gut, dass du schon lange genau weißt, in welchem Bereich du später studieren und arbeiten willst. Da du dich für die naturwissenschaftlichen Fächer in der Schule interessierst und sehr gut in ihnen bist, kann man meiner Meinung nach vermuten, dass du in deinem späteren Werdegang trotz möglicher Hindernisse höchstwahrscheinlich Erfolg finden wirst, weil du deine Interessen und Stärken für deine berufliche Zukunft gut kombiniert hast. Dass du weißt wo du hingehen musst, wenn du Fragen zu deiner beruflichen Zukunft hast, finde ich hervorragend. So kannst du offene Fragen von deinen AnsprechpartnerInnen schnell beantworten lassen, um Verwirrungen schnell zu beseitigen. Deiner Meinung bezüglich Berufsorientierung kann ich nur zustimmen. Den selben Test mehrmals zu beantworten, hilft nicht immer weiter. Ich finde es sehr erstaunlich, dass dir dein Interessentest von der vierten Klasse schon genau sagen konnte, welche Jobs deinem Interesse entsprechen könnten. Insgesamt finde ich, dass du den Beitrag, wie du dich schon selbst beurteilt hast, sehr ausführlich bearbeitet hast. du hast allen Fragen sehr genau und detailliert beantwortet und du hast dich Punkt für Punkt mit dem Beitrag auseinandergesetzt.
Mir gefällt dein Beitrag sehr gut.
Liebe Marina, super Kommentar!
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